Jardin du Luxembourg

Donnerstag, 20. September 2018, 11:21 von Henriette

Vanitas vanitatum, et omnia vanitas. Quid habet amplius homo de universo labore suo quod laborat sub sole??
— Kohelet 1, 2–3

Fontaine Médicis, Jardin du Luxembourg
Fontaine Médicis, Jardin du Luxembourg (Foto: Medici Fountain, Autumn, Flickr / Alyosha Efros, CC BY-NC 2.0)

Eine halbe Stunde später saßen Mme Navarre und ich auf zwei der berühmten grünen Stühle im Jardin du Luxembourg. Der Himmel hatte aufgeklart, es war ein sonniger Spätsommermorgen, die Blätter an den Bäumen hatten bereits begonnen sich zu verfärben. Mme Navarre hatte noch immer Tränen in den Augen.

»Betmar war einer meiner ältesten Freunde, wir kannten uns seit über zwanzig Jahren. Ich habe ihn als Studentin an der Sorbonne kennengelernt. Er hat dort fast vierzig Jahre lang gelehrt und geforscht. Seine Expeditionen führten ihn immer wieder in den Nahen Osten und nach Nordafrika, er beherrschte mehr als zehn Sprachen. Er war ein wunderbarer Mensch, ich habe ihn aufrichtig bewundert.«

»Waren Sie und er mal …« fragte ich in einem Anflug von Indiskretion.

»Ob wir ein Liebespaar waren?« lächelte sie. »Sagen wir so, ich kenne kaum eine Studentin, die nicht irgendwann mal was mit ihm hatte. Früher, als er jünger war. Obwohl …«

Ich musste unwillkürlich an Tara denken. Ob sie auch …?

Eine Weile schwiegen wir beide. »Und was wird jetzt?« fragte ich schließlich.

»Nehmen Sie die unglückselige Schale und fahren Sie nach Hause. Hier gibt es nichts mehr für Sie zu tun. Ich muss mich jetzt erst einmal um andere Dinge kümmern. Das Begräbnis zum Beispiel.«

»Hatte Betmar denn keine Angehörigen?«

»Nur eine Tochter, Camille. Aber sie hat den Kontakt zu ihm schon vor vielen Jahren abgebrochen. Sie lebt jetzt in Nepal, glaube ich, macht dort Entwicklungshilfe.«

»Aber ich kann doch jetzt nicht einfach gehen. Wenn es die Mörder tatsächlich auf die Schale abgesehen haben — und daran besteht kaum noch Zweifel —, dann steckt doch noch viel mehr dahinter, als wir dachten! Und ich muss unbedingt mit Tara reden.«

»Begreifen Sie noch immer nicht? Wenn es die Mörder auf die Schale abgesehen haben, dann sind Sie auch in Gefahr! Und ich ebenfalls.«

Mir lief es kalt den Rücken hinunter. Aber mir war klar, dass ich aus dieser Geschichte nicht mehr herauskam. »Nein, Sie scheinen nicht zu begreifen«, entgegnete ich deshalb trotzig. »Wenn es die Mörder auf die Schale abgesehen hatten, dann ist Betmar meinetwegen gestorben! Ich bin schuld an seinem Tod! Und deshalb werde ich jetzt nicht aufgeben. Das bin ich ihm schuldig.«

»Machen Sie sich keine Vorwürfe, Sie trifft keine Schuld. Schließlich habe ich Sie mit Betmar bekanntgemacht. Mais vous êtes très courageuse. Und da ich Sie anscheinend nicht davon abhalten kann, können Sie auf meine Hilfe zählen.«

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