Tur-Qadash

Dienstag, 14. August 407 AD, 20:13 von Basileios von Edessa

Ipsam quoque cellulam meam quasi cogitationum consciam pertimescebam et mihi iratus et rigidus solus deserta penetrabam et ut mihi testis est dominus post multas lacrimas nonnunquam videbatur mihi interesse agminibus angelorum.?
— Jacobus de Voragine, Legenda aurea (ca. 1263)

Wüstenkloster Mar Saba
Das Wüstenkloster Mar Saba aus dem 5. Jh. (Lithographie von Louis Haghe nach David Roberts, 1843, gemeinfrei)
Übersetzt aus dem Aramäischen.

Es war im letzten Jahr der Herrschaft des Kaisers Flavius Valens, da verließ ich meine Klause und wanderte in die Berge. Ich wanderte drei Tage und drei Nächte, und alsbald kam ich vom Wege ab. Unversehens fand ich mich in einer Gegend, in der ich noch nie zuvor gewesen war.

Ich irrte umher und stieg immer höher und höher in die Berge hinein. Die Sonne brannte unbarmherzig vom Himmel, und es gab weder Baum noch Strauch, die mir hätten Schatten spenden können. Es herrschte eine seltsame Stille, kein Laut war zu hören, kein Tier weit und breit zu sehen, außer ein paar Krähen, die über meinem Haupte kreisten. Mich dürstete, doch nirgends fand ich ein Bächlein oder eine Quelle, wo ich mich hätte erquicken können.

Weiterlesen »

Baphomet

Donnerstag, 20. September 2018, 12:24 von Henriette

… that the Templars adored idols, specific mention being made of a head, sometimes having three faces. This head was worshipped as a saviour and venerated as a giver of plenty which could make the trees flower and the land germinate.?
— Malcolm Barber, Trial of the Templars, p. 249

Baphomet-Darstellung mit drei Gesichtern in Tomar, Portugal
Baphomet-Darstellung mit drei Gesichtern (Templerburg Tomar, Portugal, 16. Jh.)

Am Ende des Zeitschriftenartikels gab es eine Fotostrecke. Mme Navarre tippte auf eines der Bilder, um es zu vergrößern. Es zeigte das in Stein gehauene Abbild eines bärtigen Hauptes mit drei Gesichtern.

»Während der Prozesse wurde den Templern auch vorgeworfen, ein Götzenbild anzubeten«, erklärte sie. »Ein magisches Haupt mit zwei oder drei Gesichtern, das okkulte Kräfte und die Fähigkeit zur Weissagung besessen haben soll. Dieses Idol wird in den Gerichtsprotokollen Baphomet genannt. Da die braven französischen Gerichtsschreiber und Chronisten des Arabischen nicht mächtig waren, notierten sie den Namen so, wie sie ihn verstanden hatten. Richtig ausgesprochen lautete er Abu-al-fihamat.«

Weiterlesen »

Der Prozess

Freitag, 13. März 2015, 22:51 von Véronique Navarre

« Vous, Templiers, … avez tant de libertés et de chartes que vos immenses possessions vous remplissent d’orgueil et d’arrogance. Ce qui a été imprudemment donné doit donc être prudemment repris, et ce qui a été accordé de façon inconsidérée doit être retiré de façon réfléchie. » — « Que dis-tu, ô Roi ? Loin de toi ces paroles malséantes et douloureuses à entendre. Aussi longtemps que tu exerceras la justice, tu régneras ; mais si tu l’enfreins, tu cesseras d’être Roi. »?
— Briefwechsel zwischen König Heinrich III. von England und Renaud de Vichiers, dem Großmeister der Templer (1252), in: A. Daraul, A History of Secret Societies, p. 46

Jacques de Molay
Jacques de Molay, 23. und letzter Großmeister des Templerordens (Darstellung aus dem 19. Jh., gemeinfrei)
Aus: Navarre; Aboudi; Betmar (2015): Vorwort zu Nouvelles perspectives sur les procès des Chevaliers du Temple et leur influence sur les relations de pouvoir en Europe et au Moyen-Orient. In: Cahiers Scientifiques sur l’Histoire et l’Archéologie, 54. Jg., Heft 3, S. 71.

Nach der Eroberung Jerusalems im 1. Kreuzzug, als der Seeweg nach Palästina offen war, wurde das Heilige Land zum Sehnsuchtsort für viele Pilger und Abenteurer aus Europa. Doch die Straßen von der Küste ins Hinterland waren gefährlich. Die Händler und Pilger, die durch die bergigen Regionen von Jaffa nach Jerusalem zogen, fielen häufig Räubern und Wegelagerern in die Hände.

Um 1118 gründeten neun Ritter um den französischen Adligen Hugo von Payns einen Orden, der die Zugangswege nach Jerusalem freihalten und die Pilger und die heiligen Stätten schützen sollte. Der Chronist Wilhelm von Tyrus schildert die Anfänge des Templerordens folgendermaßen:

Weiterlesen »

Die Kriegermönche

Donnerstag, 20. September 2018, 12:00 von Henriette

Et a trestous les freres chevaliers en yver et en esté, se estre puet, otroions a avoir blancs mantiaus; … que cil que ont abandonnée vie tenebrouse, por essamples de blanches robes (et) se reconoissent d’estre reconcilié a lor criator : Qui senefie blanchor et enterine chasteé.?
— Henri de Curzon, La règle du Temple (1886), p. 28

Die Glocke von Saint-Sulpice schlug zwölf. In der Nähe lärmte eine Horde Kinder; zwei Erzieherinnen hatten Mühe, ein paar ältere Kinder davon abzuhalten, einen dicken Jungen in den Teich zu schubsen.

»Abu-al-fihamat … Wissen Sie, was der arabische Name bedeutet?« fragte ich Mme Navarre zögernd. »Abu heißt ›Vater‹. Aber der Rest?«

Weiterlesen »

Jardin du Luxembourg

Donnerstag, 20. September 2018, 11:21 von Henriette

Vanitas vanitatum, et omnia vanitas. Quid habet amplius homo de universo labore suo quod laborat sub sole??
— Kohelet 1, 2–3

Fontaine Médicis, Jardin du Luxembourg
Fontaine Médicis, Jardin du Luxembourg (Foto: Medici Fountain, Autumn, Flickr / Alyosha Efros, CC BY-NC 2.0)

Eine halbe Stunde später saßen Mme Navarre und ich auf zwei der berühmten grünen Stühle im Jardin du Luxembourg. Der Himmel hatte aufgeklart, es war ein sonniger Spätsommermorgen, die Blätter an den Bäumen hatten bereits begonnen sich zu verfärben. Mme Navarre hatte noch immer Tränen in den Augen.

»Betmar war einer meiner ältesten Freunde, wir kannten uns seit über zwanzig Jahren. Ich habe ihn als Studentin an der Sorbonne kennengelernt. Er hat dort fast vierzig Jahre lang gelehrt und geforscht. Seine Expeditionen führten ihn immer wieder in den Nahen Osten und nach Nordafrika, er beherrschte mehr als zehn Sprachen. Er war ein wunderbarer Mensch, ich habe ihn aufrichtig bewundert.«

»Waren Sie und er mal …« fragte ich in einem Anflug von Indiskretion.

Weiterlesen »
Ältere Beiträge

Wir verwenden Cookies (buh!) für alles Mögliche (Speichern von Nutzerdaten, NSA, du weißt schon). Wenn du weiter hier surfst, gehen wir davon aus, dass du nichts dagegen hast. Mehr Infos